Motorradurlaub an der Ostsee

Und es gibt sie doch: echte Schräglagen, hier in der holsteinischen Schweiz. 

 

 

Anfahrt zur Auszeit mit dem Bike

Reisebericht aus Motorrad online

Ich räume ein, dass es mir – rein fahrerisch betrachtet – langweilig zu werden droht. Der Himmel in Babyblau, darunter die immer gleichen Wäldchen oder Felder, die Straße als kürzeste Verbindung zweier Punkte. Aber die Rettung naht in Plön. Zwischen den 16 Seen, die zum wässrigen Stadtgebiet gehören, zweigen herrliche Straßen ins ungeahnt kurvige Paradies der Holsteinischen Schweiz ab. Den aufkommenden Mangel an Schräglagen kompensiere ich schnell zwischen Malente und Wangels, Lütjenburg und Hohwacht.

Aber da sind noch andere Stellen, die den Puls schnellen lassen. Von Kirchnüchel zum Bungsberg, dem Mount Everest Schleswig-Holsteins, mit Skilift. Und plötzlich stehe ich wieder in Malente. Wieso …? Seit Plön hatte ich die Karte nur grob im Auge. Dem ewig allwissenden GPS hatte ich kurzerhand das Licht ausgeknipst und mich einfach von einer Straße auf die nächste treiben lassen, die Kurven instinktiv erschnüffelt. Der ungewollte Rundkurs macht die Neuorientierung – am besten bei einem fetten Kaffee – nötig. Und warum nicht hier in Malente?

 

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Deutschlands nördlichstes Bundesland punktet mit einsamen Genuss­touren zwischen Nord- und Ostsee sowie tollen Himmelspanoramen.  

Foto: Mairdumont/Werel  

Vielleicht hätte ich am Ortsschild besser aufpassen sollen. Über Karte und Kaffeetasse beuge ich mich nicht einfach in Malente, sondern in Bad Malente-Gremsmühlen. Jetzt wird mir auch klar, warum dieser Duft von 4711 und Tosca die Bäderluft schwängert. Das Oma-Odeur vertreibt noch nicht mal der Mandelkuchen, der sich bald zum Kaffee, erst auf dem Tisch und dann in meinem Magen, gesellt.

Neu orientiert, unterquere ich die bauschigen Ostseewolken, die Kolonnenweise über den Himmel ziehen. Pferdewiesen fliegen vorbei. Zwischen ein paar Baumreihen erahne ich die Ostsee und holpere über Kopfsteinpflaster durch die Hintertür nach Heiligenhafen. Von den Heiligen und dem Hafen sehe ich zunächst nichts. Stattdessen marschiert ein Spielmannszug einsam über den fast leeren Marktplatz. Karneval ohne Kamelle. Am Yachthafen ist etwas mehr Halligalli. Schlappe 1000 Schiffe warten auf ihre Freizeitkapitäne und den nächsten Törn durch den Fehmarnsund. Aber heute wird daraus nichts mehr. Die Skipper müssen gleich zu Abend essen.

Von Puttgardens Skandinavienfähren rollen unablässig Fahrzeugpulks nach Fehmarn und auf die Vogelfluglinie. Der Norden Europas ist auf einmal zum Greifen nah. Aber die Aussicht auf skandinavische Abenteuer tausche ich diesmal gegen die, der Ostsee weiter durch Mecklenburg-Vorpommern folgen zu können. Doch zunächst liegen mit Kellenhusen und Grömitz namhafte Ostseebäder auf dem Weg. Durch schattige Wäldchen treibt die Straße auf die struppige Küste zu. Wie man schon fast am Klang der Namen erahnen kann, macht Kellenhusen mehr auf familiäres Menorca, Grömitz mehr auf volle Lotte à la Gran Canaria. Wobei die Nasen hier lange nicht so hoch getragen werden wie auf Sylt.

Ein Stück Geschichte

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Sein Licht reicht 40 Kilometer hinaus auf See: Leuchtturm Westerheversand.  

Foto: Schäfer  

Mit einer stetigen Brise von der Seeseite lasse ich mich südwärts treiben. Die Skandinavienfähren hängen mir noch als Hirngespinste im Kopf. Als ich sie fast los bin, taucht am Horizont die klotzig-weiße Silhouette des Hotelturms von Travemünde auf. Und da sind sie wieder, die Ostseefähren, die Erlebnisse in neuen Ländern verheißen. Warum dem Drang nicht nachgeben? Ich steuere auf die nächste Fähre und löse ein Ticket. Wohin? Zum Priwall, der Südseite der Travemündung, Richtung Mecklenburg-Vorpommern. Auch das ist die Verheißung eines neuen Landes.

Jetzt sind’s nur noch wenige Meter bis zur Landesgrenze, die einmal Staatsgrenze war. Vor ein paar Jahrzehnten beäugten hier DDR-Grenzer noch die FKK-Touris von Travemünde. Eben jene revanchierten sich mit dem Blick vom Hotelturm hinter den Eiser­nen Vorhang. Das Hartmetallische hat der Vorhang längst abgeschüttelt. Dafür öffnet er sich jetzt weit für die nächste Etappe auf dem Deutschland-Marathon.

Schlängelnd bahnt sich ein schmaler Asphaltstreifen seinen Weg durch Hecken und Felder. Das braune Schild, das auf die deutsche Teilung hinweist, fliegt vorbei, ich nehme es nur aus den Augenwinkeln wahr. Schleswig-Holstein, du liegst hinter mir. Aber, ich hätt’s nicht gedacht: Du bist wirklich etwas Besonderes!

 

 

Reisebericht aus Motoroute.de

 

 

Holsteinische Schweiz - Eine Tour für die Seele

Holsteinische Schweiz - Eine echt tolle Tour ganz oben "Zwischen den Meeren"

Michael, Fotomodell und Autor dieser Reisegeschichte.

Stau! Wieder einmal geht gar nichts mehr in den Straßen von Hamburg. Alle drei Fahrspuren vor mir sind hell erleuchtet von grellen Bremslichtern. Zu allem Überfluss stehe ich auch noch mit dem Auto hier, so dass ich mir nicht einmal Gedanken über das in Deutschland immer noch verbotene „Hindurchschlängeln“ machen muss. Rechts von mir steht ein rumänischer Truck, der aus einer Art Ofenrohr derartigen Qualm entlässt, dass selbst der Filter der Klimaanlage streikt. Offensichtlich ist der LKW mit aus alten Socken selbstgekeltertem Diesel betankt. Die Abgase reichen aus, um mal wieder Smogalarm in der Hansestadt auszulösen. Auf der linken Stauseite steht ein niedliches, kleines Cabrio mit einer noch niedlicheren, kleinen Fahrerin, die mich doch tatsächlich anlächelt. „Man müsste noch einmal 25 sein“ sagt die eine Stimme in mir. „Quatsch“ sagt die andere, die vernunftbetonte Seite. „Wegen der paar Minuten Spaß willst du doch nicht noch einmal vierzig Jahre arbeiten!“ Recht hat sie, die vernünftige Seite. Und beim Stichwort „Arbeit“ klingelt das Handy.
Offensichtlich steht der rumänische Truck zwischen mir und dem Sendemast, so dass ich nur wenig verstehen kann. „ Hier ist Thomas….. hast du Lust eine Geschichte zu schreiben…. Schweiz..“ . Dann ist die Verbindung weg. Der Stau leider nicht und ich beginne ein wenig zu träumen.


Wunderschöne, alte Alleen erzeugen eine besinnliche Stimmung.

Eine Geschichte über die Schweiz. Die Idee gefällt mir, denn bei unseren südlichen Nachbarn war ich schon sehr lange nicht mehr zu Besuch. Zieht es mich doch seit vielen Jahren mehr in die nördlichen und östlichen Regionen Europas. Die Schweiz, grüne Wiesen, kurvige Straßen, romantische Seen, glückliche Kühe, leckerer Käse- je mehr ich über die Tour nachdenke, desto besser gefällt sie mir.
Am Abend erfolgt dann die Terminabsprache mit Thomas. Ein gemeinsamer Termin ist überraschend schnell gefunden und ich höre ihn zum Abschluss sagen: „Wir sehen uns dann am Freitag bei Verena und Karl-Heinz.“


Immer einen Stopp wert: Das MotoRoute Hotel Wittorf, zwischen den Meeren.

Es dauert einen ziemlich langen Moment, bis ich schalte. Verena und Karl Heinz sind die Motorrad begeisterten und dazu noch sehr netten Inhaber des MotoRoute Hotels Wittorf in Neumünster. Dort ist es auch sehr schön, aber Neumünster liegt nun einmal in Schleswig-Holstein und nicht in der Schweiz. Der vermeintliche Irrtum ist schnell aufgeklärt: Der rumänische Truck hat wohl ein paar Worte des Telefongespräches einfach verschluckt, so auch das „holsteinische“ vor der Schweiz. So fahre ich also wieder einmal nach Norden und der Besuch bei den Eidgenossen muss noch etwas warten.


Einfach die Seele baumeln lassen und jeden Meter genießen.

Aber warum gibt es eigentlich so viele Schweizen ? Neben dem Original kennen wir die Sächsische Schweiz, die Wittgensteiner Schweiz, die Berliner Schweiz, die Bergische Schweiz und viele weitere mehr oder weniger bekannte nach unseren südlichen Nachbarn benannte Gegenden. Sogar das kleine Bundesland Bremen hält sich eine eigene Schweiz, übrigens durchaus sehenswert.
Und es gibt die Holsteinische Schweiz, die sich im Osten Schleswig-Holsteins befindet. Bekannte Städte sind z.B. Eutin, Plön, Bad Malente oder Oldenburg in Holstein. Über die Entstehung des Namens Schweiz gibt es verschiedene Geschichten. Wahrscheinlich ist es aber, dass im 19. Jahrhundert bei Menschen, die es sich denn finanziell leisten konnten, Reisen in die Schweiz sehr beliebt waren. Daher versuchten aufstrebende Tourismusregionen mit diesem „Gütesiegel“ Schweiz Gäste anzulocken. Ein findiger Hotelier eröffnete 1885 in Malente das Hotel „Holsteinische Schweiz“. Wenig Später hieß auch der Bahnhof entsprechend, noch ein paar Jahre später die gesamte Region.


Karl-Heinz vom Hotel Wittorf erklärt einer Fränkin, woher das Wasser kommt.

Unser findiger Hotelier Karl-Heinz hat gerade ein anderes Problem. Dicke, dunkle Regenwolken verfinstern den Himmel, nicht gerade ein vielversprechender Auftakt für die Produktion einer Fotogeschichte. So fällt das hervorragende Frühstück im gemütlichen Wintergarten des MotoRoute Hotels Wittorf etwas länger aus, was mir persönlich sehr gut gefällt. Gegen 10.00 Uhr ist die Geduld von Karl-Heinz am Ende. Mit den Worten: „Die Wolken kurven wir aus!“ schwingt er sich auf seine VFR 1200 und wir starten zunächst in nördlicher Richtung. Der Regen lässt tatsächlich nach, zunächst ist der Himmel noch grau, doch der helle Horizont verspricht Besserung.
Durch den Regen ist die Luft wie gewaschen, die Umwelt wird mit allen Sinnen wahrgenommen. Kurvige Straßen, überwiegend in hervorragendem Zustand führen uns durch eine ausgesprochen abwechslungsreiche Landschaft: Viele Hügel, zwischen denen sich romantische Seen, grüne Wiesen und herrliche Mischwälder befinden wechseln sich mit durch Knicks strukturiertes Ackerland ab.Die so genannten Knicks sind zur Feldabgrenzung gepflanzte Hecken. Sie sollen sowohl die Grenzen eines Ackers darstellen, als auch das Ackerland vor Abtragung durch den oft starken Wind schützen. Wir fahren weiter. Die Verkehrsdichte ist erfreulich niedrig und wir lassen es zwischen den einzelnen Fotostopps auch mal richtig krachen. Fahrspaß ist hier garantiert, denn die Eiszeit hat hier eine Geländeformation hinterlassen, die wir Norddeutschen auch schon mal als bergig bezeichnen. Kurvig ist es auf jeden Fall und diese Straßen haben auch schon so manchen Besucher aus südlichen Regionen in Staunen versetzt.


Schräglagen haben wir eigentlich viel, viel mehr gefunden, wie wir uns ursprünglich erwartet hatten.

Karl-Heinz führt uns auf kleinen und kleinsten Nebenstraßen durch die schönsten Regionen der Holsteinischen Schweiz. Bei einem Fotostopp an einer alten Holzbrücke in der Nähe des Ortes Niederkleveez haben wir einen herrlichen Blick auf den Dieksee.  Die Anzahl der Seen ist verblüffend, an die 200 sollen es sein. Durch die letzte Eiszeit entstanden prägen sie heute ganz entscheidend das Landschaftsbild dieser Region, das man durchaus mit der Seenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns oder auch Südschwedens vergleichen kann. Mit etwas Glück kann man auch hier Seeadler beobachten und im Frühjahr oder Herbst besuchen tausende von Zugvögeln die Region.
Kleine Orte fliegen an uns vorbei. Sie heißen Timmdorf, Hafkamp oder Gretin.  Oft sind die Ortschaften geprägt durch alte Kopfstein gepflasterte Dorfstraßen mit sehr gepflegten Fachwerkhäusern und Gärten. Ruhe strahlen sie aus, Ruhe und die Gelassenheit des dörflichen Lebens. Zumindest so, wie sich der Städter das dörfliche Leben so vorstellt.
Inzwischen strahlt die Sonne vom Himmel. Karl-Heinz hat es also wieder einmal geschafft, er hat die Regenwolken ausgekurvt! Bei dem schönen Wetter bietet sich doch noch ein Abstecher an den richtig großen See an. Oder richtiger formuliert: an die richtig große See, die Ostsee nämlich. So starten wir durch nach Laboe, um in der Nähe des bekannten U-Bootes U 995 das, wie Thomas es formuliert „beste Lachsbrötchen der Welt“ zu vertilgen. Einige sollen sogar zwei von den riesigen Teilen geschafft haben.


Am Alten Hafen von Laboe: Hier gibt es unserer Meinung nach die aller-aller-besten Stremellachsbrötchen weit und breit!

Hinter der kleinen Ortschaft Lisch passieren wir eine alte, gut erhaltenen Windmühle. Für viele Gemeinden sind die alten Mühlen eine Art Wahrzeichen. Privatpersonen, aber auch Mühlenvereine haben es sich zum Ziel gesetzt, die Mühlen nicht nur als Gebäude zu erhalten, sondern auch die volle Funktionsfähigkeit wiederherzustellen. Viele der Mühlen lassen sich besichtigen, einfach einmal anhalten und fragen. 
Die Sonne steht schon recht tief, als wir am späteren Nachmittag unsere Lenker wieder Richtung Neumünster drehen. Ich freue mich über die prächtigen Alleen, durch die Karl-Heinz uns führt. Schleswig-Holstein hat zwar keinen Anteil an der Deutschen Alleenstraße –diese führt bekanntlich von Rügen bis nach Konstanz- aber trotzdem gibt es hier noch viele dieser prachtvollen, Baum bewachsenen Landstraßen. Wer sich gern an einer Ferienstraße orientieren möchte, der findet in unserem nördlichsten Bundesland beispielsweise die Alte Salzstraße, die Deutsche Fährstraße oder die Deutsche Ferienroute Alpen-Ostsee. Aber auch „Exoten“ wie die Deutsche Storchenstraße oder die Käsestraße lohnen eine genauere Betrachtung. Der Käsestraße folgend kann man , ausgehend vom MotoRoute Hotel Wittorf, alle Regionen Schleswig-Holsteins erkunden und dabei gleichzeitig die kulinarische Vielfalt des Käses direkt bei den jeweiligen Erzeugern genießen.  


Wenn die Sonne untergeht, bietet sich uns eine besonders beieindruckende Stimmung.

Die Route ist in fünf Teilabschnitte gegliedert und führt von der nördlichen Ostseeküste zunächst in die Holsteinische Schweiz. Über das Gebiet Lübeck-Lauenburg verläuft sie durch das Holsteinische Binnenland und quert dort den Nord-Ostsee-Kanal bevor sie wieder in Nordfriesland den äußersten Norden Schleswig-Holsteins erreicht. Über 30 Käsereien bieten hier ihre Produkte an, die sowohl konventionell, als auch zum Teil nach Bioland- oder Demeterrichtlinien hergestellt werden. Seit dem Jahre 2000 existiert die Käsestraße und nimmt in ihren Bekanntheitsgrad ständig zu. Für uns Motorradreisende bietet sie einmal mehr eine gelungene Kombination aus Fahrspaß und kulinarischen Genüssen und wer mag das nicht?
Zurück im MotoRoute-Hotel Wittorf genießen wir die Abendsonne in dem wunderschönen Garten des Hauses. Das Bier schmeckt und aus der Küche duftet es schon sehr verführerisch.  Wir haben einen tollen Tag erlebt, sind durch eine Landschaft gefahren die von grünen Wiesen, kurvigen Straßen, romantischen Seen, glücklichen Kühen und leckerem Käse geprägt ist. Moment, diese Aufzählung hatten wir doch schon einmal, zu Beginn dieser Geschichte. Das ist nun wirklich der Beweis, dass die Holsteinische Schweiz ihren Namen zu Recht trägt.


Danke an Yamaha für das Motorrad und an Reifenwerk Heidenau für die passenden Reifen dazu. Der K 60 Scout hat sich auch im Norden bestens bewährt.

Nähere Informationen erhält man natürlich im MotoRoute Hotel Wittorf bei Verena und Karl-Heinz Bastian unterwww.motoroute.de  und www.hotel-wittorf.de .
Außerdem lohnt ein Blick auf diese Seiten: www.kaesestrasse-sh.de , 
www.naturpark-holsteinische-Schweiz.de , www.sh-tourismus.de .
Abschließend noch ein Hinweis:  Vor Tourstart nach Schleswig-Holstein kann ein prüfender Blick auf die Reifen nicht schaden, denn es gibt hier mehr Kurven, als man vermutet!